Hüttenfest
zum 40-jährigen Jubiläum der Kaiserslauterer Hütte
Samstag, 14. Mai 2011
Am frühen Vormittag des 14. Mai fanden sich ca. 60 Sektionsmitglieder und Gäste auf dem Rauhberg ein.
(Fast) Pünktlich um 11:15 eröffnete der 1. Vorsitzende Dr. Lukoschek die Jubiläumsfeier mit einer kurzen Ansprache.
Nicht ohne Stolz wies er darauf hin, dass es sich bei der "Lautrer Hütte" um eine "echte", nur zu Fuß erreichbare,
Hütte, handle. So wie ihre "großen Schwestern" in den Bergen.
Außerdem erinnerte er daran, dass wir nicht nur die älteste (gegründet 1893), sondern mit über
2200 Mitgliedern auch die größte pfälzische Sektion sind.
Nach einem Gottesdienst, gehalten von Pfarrer Bernd Schmitt, wurden diverse Grußworte vorgetragen :

Ein Brief vom OB der Stadt Kaiserslautern wurde verlesen. Es folgten Grüße von einer Vertreterin des DAV Landesverbands ("Sektionenverband"),
und der Sektionen Frankfurt, Pirmasens, Ludwigshafen, Zweibrücken und Speyer sowie von Heinz Illner für die Pfälzer Kletteren.
Und zu guter Letzt sprach noch der Bürgermeister von Bruchweiler.
Als Dank und zur Erinnerung wurde den Gratulanten ein Buch überreicht.
Lothar Lukoschek würdigte nochmal die Leistungen und das Engagement der früheren Sektionsmitglieder, die sich zum
Ziel gesetzt hatten hier oben eine Hütte zu erbauen. Damals betrug die Mitgliederzahl gerademal etwas über 300 !
Bevor er dann das Wort an Gerhard Becker ("Mecky") weitergab dankte er nochmal allen Organisatoren und Helfern des
Hüttenfestes. Das waren u.a Hüttenwart Gunther Hartung, Heidi Jung, Bettina Bachem und Marita Schneider.
Übrigens, die Anfangs recht überschaubare Zahl von Besuchern erhöhte sich im Laufe des Tages deutlich, so dass insgesamt
wohl weit über 100 Leute den Aufstieg auf den Rauhberg auf sich genommen hatten.
Darunter auch Schiedsrichter Dr.
Markus Merk mit Frau und als älteste Teilnehmerin die 85 Jahre alte Käthe Hott, deren Mann Karl-Heinz einst viele Stunden
Arbeit in die Hütte investiert hat.
Den Musikalischen Rahmen bildeten Die Pälzer mit Unterstützung von Heinz Illner
Nach einer kurzen Ansprache des 1. Vorsitzenden gab's einen Gottesdienst.
Danach folgten verschiedene Grußworte ... |
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Bild unten : Rechts der langjährige Hüttenwart Theo Stentzhorn
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Mecky (Gerhard Becker), einer der Hauptakteure beim Hüttenbau, berichtet in einem interessanten
Vortrag darüber "wie alles anfing."
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Er schloß mit den Worten :
Was war eigentlich meine Hauptaufgabe ? Den ausführlichen Bericht findet man weiter unten. |
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Bild unten : Links Hüttenwart Gunther Hartung
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Nach soviel "Zuhören" fanden Essen & Trinken reichlichen Zuspruch. Und auch die gute Musik der Pälzer fand viel Anklang. |
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An der Hütte war eine große Tafel mit "historischen" Bildern aus der Bauphase angebracht.
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An den umliegenden Felsen waren ein paar Touren "top-rope" eingerichtet. |
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Eine lange Tradition ist es, dass der amtierende
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Lothar sucht den entscheidenden Griff !
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Gipfelphoto (von links) : |
Bild Rechts :
Bild oben, von Links : Sektionsmitglied Dr. Markus Merk Dr. Lothar Lukoschek, Fr. Merk, Hüttenwart Gunther Hartung, Ursula Grosser, Marita Schneider |
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Am späten Nachmittag neigte sich das Fest dem Ende zu. |
Die Ersten die gingen wurden musikalisch verabschiedet. |
Fotos von Marita Schneider (MS) und Hy
Presseresonanz in der Rheinpfalz :

40 Jahre Kaiserslauterer Hütte
Von Gerhard Becker ("Mecky")
Unsere Sektion ist fast 120 Jahre alt. Von Anfang an gab es die Idee einer eigenen Hütte.
Bereits bei der Gründungsversammlung im Jahr 1893 stellte man Überlegungen an, eine Hütte zu bauen. Wie in dieser Zeit
der Erschließung der Alpen üblich, natürlich eine Hütte in den Alpen.
Bereits 1898 wurde ein Hüttenwart gewählt und ein Grundstock für die Finanzierung geschaffen. Der 1. Weltkrieg
durchkreuzte alle Pläne.
Doch bald danach flammte der Gedanke wieder auf.
1926 errichtete man zusammen mit anderen Sektionen aus der Pfalz die
"Pfälzer Hütte" auf dem
Bettlerjoch in Lichtenstein. Die Einweihung fand 1927 statt. 10 Jahre, bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges, war die
Hütte Mittelpunkt des Vereinsgeschehens der Pfälzer Sektionen.
Nach Kriegsende 1945 und dem Verbot des Alpenvereins durch die Siegermächte wurde auch diese Hütte enteignet. Wir
Pfälzer kämpften vergebens um unsere Hütte.
Unsere Sektion wurde nach der Wiederzulassung des Vereins ab 1950 vom 1. Ski- und Kanuclub verwaltet.
Bereits im
Jahr 1958, kam der Gedanke zum Bau einer Hütte wieder auf, vorangetrieben durch eine Handvoll Jugendlicher, die Woche
für Woche im Klettergarten in der Südpfalz unterwegs waren. Es herrschte Aufbruchstimmung in dieser Zeit.
Auch unsere Sektion wurde im Dezember 1960 wieder selbständig mit zunächst 60 (!) Mitgliedern.
Mit viel Begeisterung sammelten wir Jungen bei unseren Vereinsabenden auf dem Bremerhof Geld für eine neue Hütte.
Die wichtigsten Stationen :
Wie kam man eigentlich auf die Idee, hier oben auf dem Rauhberg eine Hütte zu bauen ?
Unsere Überlegungen gingen davon aus, unser Klettergebiet, die Südpfalz, so aufzuteilen, dass man von einem Stützpunkt fußläufig
die Felsen erreichen kann.
Die Asselsteinhütte deckte den nördlichen Teil, die Bärenbrunnerhütte die Mitte, das Rudolf-Keller-Haus den westlichen
Teil und unsere geplante Hütte sollte den südlichen Teil abdecken.
Denn wir hatten ja bereits anfangs der 60-er Jahre hier unseren Stützpunkt : Entweder wurde an der Mariaquelle
gezeltet oder im Reinighof im Heu übernachtet. Also suchten wir hier intensiv nach einem festen Stützpunkt.
Eines Abends saßen wir, d.h. Helmut Hohlreiter, Gerhard Kreißelmeyer und ich auf dem Gipfel des Mariaturms. Unser
Blick fiel hinüber auf den Rauhberg und plötzlich kam uns der Gedanke, dort oben unsere Hütte zu bauen, und zwar
eine Hütte, die man nur zu Fuß erreichen kann, wo man einen weiten Blick ins Dahner Felsenland hat und in aller
Stille den Abend ausklingen lassen kann.
Wie kam man an die Grundstück bzw. ihre Besitzer ?
Wir hatten bei der Wahl des Hüttenausschusses darauf geachtet, dass Experten in den Ausschuss gewählt wurden.
Herr Julius Bartsch war beim Straßenbauamt in Kaiserslautern tätig und kannte sich mit Grundstücksbeschaffung gut
aus. Er beschaffte sich die Katasterunterlagen und recherchierte die Besitzer.
Seine erste Reaktion war: Unmöglich !
Er hatte für eine Fläche von rund 5000 qm 13 Parzellen und 20 Eigentümer ermittelt !
Die müssten alle unter einen Hut gebracht werden und das schien zunächst kaum zu schaffen.
Alle Eigentümer waren mehr oder weniger miteinander verwandt. Es gab in Bruchweiler damals fast nur "Burkharts" und "Zwicks".
Und wie bei Verwandschaft nicht selten, waren sie sich untereinander nicht immer einig.
Dabei kam uns aber zugute, dass alle Grundstücke oben in einem Punkt zusammenliefen (etwa dort wo jetzt der Wasserbehälter ist.)
und keiner genau wusste, wo sein Grundstück bzw. seine Grenzen genau lagen.
Ein Besitzer erklärte uns, er sei froh, wenn der Jahrzehnte dauernde Streit unter der Verwandtschaft, wem dieser oder
jener Baum gehöre, endlich durch Verkauf gelöst würde und die Grenzen dann deutlich erkennbar seien.
Wir machten uns dieses Argument zunutze und konnten dann schließlich alle Eigentümer zum Verkauf überzeugen.
Das geschah meist dadurch, dass einer von uns die Leute zu Hause besuchte und beim Mittag- oder Abendessen und einer Flasche Wein
oder ein paar Bier Überzeugungsarbeit leistete.
Als besonders schwierig erwies sich der Fall einer Besitzerin, die mittlerweile in einem Kloster im Elsaß lebte.
Der Besitz einer Nonne geht nämlich in den Besitz des Kosters über .... Aber auch das wurde schließlich geregelt.
Dann mussten noch alle Besitzern zum Notar !
Das war eine Geschichte für sich !
Eine Miteigentümerin erklärte uns: Ladet alle zu einem Fass Bier ein, bestellt den Notar in die Wirtschaft und alle
werden dann unterschreiben, auch mein Alter, der bis jetzt noch nicht zugestimmt hat.
Das Problem war allerdings der Notar aus Dahn. Der hatte nämlich keine Lust am Sonntag zu arbeiten. Aber dafür schickte
er seinenAssessor.
Gesagt, getan, an einem Sonntag Morgen im Jahr 1965, nach der Kirche kamen alle ins Gasthaus und bevollmächtigten den
anwesenden Assessor, für sie zu handeln und mit dem Herrn Notar in Dahn den Kaufvertrag abzuschließen.
1900 DM wechselten den Besitzer und 5040 qm waren unser Eigentum. Dabei haben wir zwei Felsen mit erworben.
Eigentlich war der Kaufpreis angesichts der damaligen Grundstückspreise viel zu hoch .... aber wir hatten was wir wollten.
Nun hatte man zwar ein Grundstück hoch oben auf dem Rauhberg, aber es gab noch keine Baugenehmigung, keinen Zugangsweg, noch nicht mal ein Bauantrag war gestellt.
Auch daran hatten wir gedacht und hierfür unsere Leute im Hüttenbauausschuss. Herr Dr. Schiller war jahrelang in
Pirmasens tätig und hatte gute Beziehungen zum Landratsamt. Bei einer Bauanfrage legten wir die Zustimmungserklärung
der Grundstücksbesitzer und unsere Idee in Skizzen vor. Das Amt bekundete uns, man wolle den künftigen Bauantrag
wohlwollend behandeln. Das genügte uns erstmal.
Nächster Schritt zum Bau : Plan, Genehmigung und Geld.
Der Entwurf zum Bau der Hütte wurde von den 3 Weggefährten Helmut Hohlreiter, Klaus Jung und mir, die alle 3 in
einem Büro auf einer Großbaustelle beschäftigt waren, nach Feierabend erarbeitet.
Weit weg von K'lautern haben wir Abend für Abend Pläne geschmiedet, Kosten errechnet und überlegt, wie wir am günstigsten
bauen könnten. Ein große Problem war natürlich der Transport von Material auf den Berg.
Die ersten Pläne standen und nun ging's ums Geld :
Es kam die große Enttäuschung ! Wir als Sektion Kaiserslautern mit zwischenzeitlich 200 Mitgliedern konnten dieses
Vorhaben alleine nicht umsetzen. Die Vorstandschaft traute uns Jungen dies nicht zu. Man holte die Pfälzer Sektionen,
d.h. den Sektionen-Verband, mit ins Boot. Unsere Planungen und Überlegungen wurden vorerst eingefroren.
Ein bekanntes Büro wurde beauftragt, die Hütte zu planen und den Bau zu bewerkstelligen.
Für uns war es furchtbar, dass kein Kletterer die Hütte auf unserem Gelände planen sollte. Aus unserer schlichten
Bergsteigerunterkunft sollte ein großes "Ding" werden. Mit Duschen im UG, Tagungsraum und allem was dazugehörte.
Das musste schief gehen. Die Kosten wurden viel zu hoch, der Bau zu groß und dominant. Das Bauamt lehnte ab.
2 Jahre waren verloren !
Die Zusammenarbeit mit dem Sektionenverband wurde aufgekündigt und unsere alte Planung kam wieder auf den Tisch.
1968 wurde beschlossen, in eigener Regie zu bauen.
Der Bauantrag wurde nach unseren Entwürfen von unserem Kollegen im Innendienst Eugen Vogel 1968 erstellt, die
Genehmigung erfolgte 1969.
Und wo kam das Geld für den Bau her ?
Aus Eigenmittel, Spenden von Firmen und Mitgliedern, Darlehen von Mitgliedern, eine großzügige Spende der Stadt
Kaiserslautern.
Wir hatten beim Aufstellen des Gipfelkreuzes am Bruchweilerer Turm Herrn Dr. Heiner Geißler kennen gelernt, der
damals Minister für Jugend und Soziales war. Beim Mittagessen am Fuß des Felsens sicherte er mir zu, die Hütte mit
zu fördern.
Anträge mußten gestellt, Baubeschreibungen und Finanzpläne eingereicht werden, eine weitere Flut von Papierkram.
Auch vom Hauptverein aus München kam ein Zuschuss. Und nicht zu vergessen, ein kleiner Anteil kam auch aus
Liechtenstein.
Die nach dem Krieg enteignete Hütte wurde vom Alpenverein Liechtenstein gekauft und die Pfälzer Sektionen teilten sich den Erlös.
Letztendlich war alles klar und wir konnten bereits 1969 mit dem Hüttenbau beginnen.

Im Spätsommer wurden die Bäume gefällt und die damalige Jugendgruppe (der Webmaster war auch dabei )
unter Jugendleiter Gerhard Kreißelmeyer absolvierte ihren ersten Arbeitseinsatz auf dem Rauhberg. Es wurden die Löcher für die Stützen in den felsigen Boden gegraben.
Im Oktober 1969 wurde der Auftrag für die Zimmerarbeiten, die Dachdeckerarbeiten, die Fenster, Türen und Läden, nach
Ausschreibung an die Firma Ankner vergeben.
Am 09.11.1969 erfolgte die Grundsteinlegung. (Bild links)
Ende 1969 begann die eigentliche Arbeit :
Die Zufahrt über den Bach im Tal war baufällig und musste neu verrohrt werden.
Kurz entschlossen bestellten wir neue Rohre. Eine Dreibeinwinde wurde beschafft und in einer "Blitzaktion", vorbei an
jeglicher Bürokratie, wurden neue Rohre in den Bach verlegt.
Die 1. harte Handarbeit war im Team bewältigt.
Transportproblem :
Wie kam das Material für die Fundamente, das Holz für das Fachwerk und alles andere
nach oben ?

Um Material zu sparen, haben wir die Hütte auf Einzelfundamente gegründet. Ein Trägerrost aus Stahl verbindet die
einzelnen Stützen miteinander.
Die Steine für die Fundamente, Zement und Kies und die Stahlträger für die Decken haben wir mit einem Schubkarren, der
von Bergkameraden mit Seilen gezogen wurde, nach oben gebracht. Das benötigte Wasser wurde vom Tal mit einer Kraxe zum
Bauplatz getragen.
Das alles ist heute kaum mehr vorstellbar.

Bald kam die Idee auf eine Materialseilbahn, vom "Mittelweg" aus, zu bauen.
Die Materialseilbahn, bestehend aus ausgemusterten Kranauslegerseilen, aus einem alten VW-Motor und einer Seilwinde
war eine Pionierleistung von uns jungen Kletterern. 4 Bäume, 2 oben, 2 unten und ein Querholz, darüber das Seil, nach
hinten abgespannt, und wiederum an Bäumen verankert.
Zuerst wurde das Tragseil mit Mannschaftszug hochgezogen. Auch der alte Motor und die Winde wurden so nach oben befördert.
Der alte VW-Motor ersetzte dann den Mannschaftszug.
Der Seilbahnbetrieb war immer eine "spannende Sache". Die Winde wurde über eine Rutschkupplung angetrieben. Der Treibriemen
drohte nicht nur ständig von der Antriebsrolle zu rutschen, sondern bei feuchtem Wetter und/oder zu großer Last rutsche er auch
durch. Da mußte immer mit Sand für Reibung gesorgt werden.
Apropos große Last : Einmal ist das Zugseil gerissen und die kleine Gondel, schon fast oben, gefüllt mit Kieseimer und
Zementsack "verabschiedete" sich nach unten. Die Bedienmannschaft konnte sich gerade noch zur Seite retten als die Gondel in
der "Talstation" einschlug !
Wir wollten ursprünglich das Holz bis zur "Tal"station auf halber Höhe hinauf tragen bzw. mit dem Schubkarren fahren.
Der Metzgermeister Zwick aus Bruchweiler, der dort im Wald Holz machte, beobachtete mitleidig unser Treiben und bot uns
unentgeltlich seine Traktor-Hilfe an.
Es war ein Abenteuer für sich : Mit Traktor, Anhänger und einer Seilwinde, an der er sich teilweise selbst hochzog,
ging es über einen steilen Weg vom Tal bis zur Talstation unserer Materialseilbahn.
Das gesamte Holz für die Fachwerkkonstruktion, die Spanplatten und Bretter für die Wände sowie Fenster und Türen und
die Bauteile für den Kachelofen fanden so den Weg nach oben.
Die Verzimmerung der Hölzer erfolgte durch die Firma Ankner. Die Arbeiter gingen jeden Morgen den steilen Weg vom Tal
hoch und waren zufrieden, die Hütte mit zu gestalten.
Bereits ein halbes Jahr nach dem Bachüberbau konnten wir im Mai 1970 das Richtfest feiern. Dazwischen lagen hunderte
von freiwilligen Arbeitsstunden.
Nur der Kachelofen wurde von einem Ofenbauer gefertigt. Alles andere, der gesamte Innenausbau wie z. B. die
Wandverkleidung, die Sitzbänke, Tische, Bänke und Betten sowie die Küche wurden von unseren Mitgliedern, Wochenende für
Wochenende in Eigenleistung erstellt. Eine Meisterleistung - die man sich heute kaum mehr vorstellen kann.
Unsere Frauen nähten Vorhänge und Kissen. Langsam wurde die Hütte wohnlich.
Ein ganzes Jahr, Wochenende für Wochenende, fuhren wir zum Arbeitseinsatz in die Südpfalz, biwakierten unter den Felsen
und arbeiteten an der Hütte.
Insgesamt wurden von ca. 40 Mitgliedern unserer Sektion insgesamt 5.200 Arbeitsstunden geleistet.
Knapp 1 Jahr nach der Grundsteinlegung war die Hütte fertiggestellt.
Das 1. Hüttenbuch habe ich am 4.Oktober 1970 aufgelegt. 5 Mitgliedern aus Kaiserslautern waren die ersten offiziellen
Gäste. Ein Blick ins Hüttenbuch zeigt, dass bereits vom 21. bis zum 25. Oktober 10 Gäste vom SAC bei uns übernachteten.
Im Mai 1971 fand die offizielle Einweihung statt – ein Meilenstein in unserer Vereinsgeschichte.
Viele Gäste und Offizielle, darunter der damalige Oberbürgermeister von Kaiserslautern, Hans Jung, sowie Gesandte aus
den pfälzischen Sektionen beglückwünschten uns. Es war ein Fest der Freude.
Alle Mühen waren vergessen.
Wasser, Strom, Waschräume, Toiletten ?
Das Wasser zum Kochen, das Gas für die Beleuchtung und den Betrieb der Herdplatten wurde mit der Kraxe hoch getragen.
Es gab ein Torfmullklosett unterhalb der Hütte. Die Körperpflege fand im Tal an der Maria-Quelle statt. Bis man wieder
oben war, war alles umsonst gewesen....
... und wie ging's weiter ?
Unser Tatendrang war ungebrochen und so entschlossen wir uns bald zu einem 2. Bauabschnitt.
Wir planten Wasser- und Stromleitung und Waschräume.
Das war zunächst heftig umstritten. Nicht wenigen Mitglieder ging der Ausbau der Hütte zu mehr Komfort gegen den Strich.
Sie fürchteten der Charakter der schlichten Bergsteigerunterkunft würde verloren gehen. Auch gerade Leute die sich ganz stark beim Bau engagiert hatten.
Nach vielen, teilweise heftigen, Diskussionen wurde mit dem Bau begonnen.
Die Wasserleitung von der Mariaquelle bis hinauf zu Hütte war wiederum eine Pionierleistung. Das Rohr von der Quelle
bis zum Pumpenschacht wurde im Bachbett verlegt. Der Graben bis hoch auf den Rauhberg wurde mit vielen, vielen
Arbeitskräften bewältigt. Manchmal waren bis 20 Personen im Einsatz. Meter für Meter entstand der Graben, ohne maschinelle Unterstützung, steil bergan. An den Felsen vorbei bis zum Wasserbehälter oberhalb der Hütte.
Unter der Hütte entstanden zwei Waschräume.
Im Jahr 1974 hieß es dann: Wasser marsch! Wiederum wurden 1200 Arbeitsstunden aufgewandt.
Zu guter Letzt :
Wir alle waren glücklich und zufrieden. Wir Bergkameraden waren zusammengewachsen, waren eine Gemeinschaft geworden
und hatten ohne allzu viel fremde Hilfe etwas Großartiges geleistet, auf das wir stolz sein konnten :
Unsere Vision war Wirklichkeit geworden.
Heute nach 40 Jahren – das ist eine lange Zeit – erinnere ich mich an die Zeit des Hüttenbaus und an die
Bergkameraden und -kameradinnen, die damals tatkräftig mitgearbeitet haben, auch an die, die heute nicht mehr den
steilen Anstieg hier herauf schaffen oder nicht mehr unter uns weilen - auch an sie wollen wir uns erinnern.
40 Jahre Kaiserslauterer Hütte – das ist ein Grund zum Feiern in froher Runde.
Bergheil !
Der Artikel basiert auf der Rede die Gerhard Becker am 14. Mai 2011, anlässlich des 40-ten Jubiläums auf dem Rauhberg gehalten hat.
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